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seit 1950

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«Arsalte», 2003

Draht, Holz, Papier, Vlies

Gips, Kleister, Acryl

102 x 83 x 88 cm

Hippodamia I, 2002

Draht, Zeitungspapier, Kleister, Armierungseisen, Acryl

93 x 62 x 45 cm

Anexidia, 2004

Armierungseisen, Draht,

Zeitungspapier,

Acryllack

215 cm x 180 cm x 90 cm

Celaeno, 2004

Eisenrohre, Draht, Zeitungspapier, Kleister, Acryl, Lack

170 x 135 x 120 cm

Dioxippe, 2004

Stahlrohr, Draht, Kleister, Zeitungspapier, Acryllack

240 x 100 x 80 cm

Pirene, 2000

Draht, Kleister, Packpapier, Gummi, Stahlwatte

78 x 65 x 70 cm

 

 

 

Fotos: Roberto di Trani, Milano

Claudia Bürgler (*19.5.1965)

Geboren wird Claudia Bürgler in Herisau. Nachdem sie zwei Jahre in Vallorbe verbracht hat, siedelt ihre Familie nach Allschwil bei Basel über.

Ihrer Ausbildung zur Schriftenmalerin folgt eine Weiterbildung zur Werbeassistentin. Anschliessend arbeitet sie, mit zwei Unterbrüchen, bis 1997 in der Werbebranche. Einen ersten Zwischenstopp macht sie um sich zwei Jahre lang der Betreuung psychisch kranker Menschen zu widmen.

Der Tod ihres Vaters zwingt sie wiederum zum innehalten: Sie nimmt sich dessen Ermahnungen zu Herzen und beginnt ihre kreativen Fähigkeiten in künstlerische Arbeit umzusetzen. Studien mit verschiedensten Materialien und Techniken führen Sie zur Ausdrucksform Skulptur. Besonders faszinieren sie die vielfältigen Möglichkeiten die Papiermaché bietet – und die Idee aus «Abfall» etwas neues zu erschaffen. Sie beginnt ausschliesslich Zeitungen, Zeitschriften und gebrauchtes Packpapier zu verarbeiten.

1997 kündigt sie ihre Arbeitsstelle und verbringt den Sommer auf einer Bündner Alp. Im darauffolgenden Jahr zieht sie nach Italien, wo sie sich nunmehr ausschliesslich der Kunst widmen kann. Im Licht und in der prächtigen Farbenwelt der Cinque Terre entstehen ihre ersten Figuren, die immer zahlreicher werden. Sie fängt an diese mit Sockeln auszurüsten, die allesamt aus Fundstücken aus der Umgebung bestehen: Marmor aus dem nahe gelegenen Carrara, in zusammengefallenen Hütten gefundene Schieferstücke, Holz von alten Weinfässern und ähnliches.

Ihre «Frauen» finden bei den Menschen der Umgebung und bei den vorbeiwandernden Touristen immer mehr Anklang, was wiederum dazu führt, dass sie in ihrem Wohnhaus und Atelier keine Ruhe mehr zum arbeiten findet und das Dorfleben sie zu beengen anfängt.

Sie siedelt nach Genua über, wo sie im multikulturellen Gassengewirr der Altstadt viel Raum und einen faszinierenden Mikrokosmos vorfindet. Sogar das Material für die Sockel findet sie an allen Ecken und Enden – nicht zuletzt weil das Centro Storico seit Jahren renoviert wird. In der Arbeit von Claudia Bürgler verschmelzen Draht, Zeitungspapier, Fischkleister, Holz, Stahlrohre, Armierungseisen, Acrylfarben und Lack zu figurativen Skulpturen. Schicht um Schicht legt sie Papier auf eine verschwommene Struktur aus grossen, metallenen Maschen, bis die «Danaiden der Neuzeit» entstehen: Starke, selbstbewusste Frauen, die einen Geist von Freiheit und Unabhängigkeit verströmen und wie damals die mythischen Töchter des Danaos in ihrem Fühlen, Denken und Handeln nicht dem Zeitgeist entsprechen wollen. Claudia Bürglers Danaiden wollen einen Kontrapunkt zum gängigen Frauenbild setzen – um den Betrachter damit zu erobern, aber auch um ihn zu irritieren.

Nach diversen Auftragsarbeiten sowie kleineren Gruppen- und Einzelpräsentationen wird Claudia Bürglers Werk nun erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

Die Danaiden

König Belos hatte drei Kinder: Kepheus und die Zwillinge Aigyptos und Danaos. Aigyptos zeugte wiederum fünfzig Söhne und Danaos fünfzig Töchter – die Danaiden. Nach dem Tode Belos‘ stritten sich die Zwillingsbrüder um dessen Erbe und Aigyptos schlug zur Aussöhnung eine Massenheirat seiner Söhne mit Danaos‘ Töchter vor. Eine List befürchtend schlug letzterer das Angebot aus und floh mit seinen Töchtern dank Athenas Hilfe auf den Peloponnes.

In der Zwischenzeit zum König von Argos avanciert, wurde Danaos wiederum von seinem Bruder bedrängt, in die Hochzeit einzuwilligen. Um ihn zur Nachgabe zu zwingen, liess Aigyptos Argos so lange von seinen Söhnen belagern, bis Danaos kapitulierten musste.

Da das Orakel ihm aber beschieden hatte, dass sein Bruder darauf abzielte ihn und seine Töchter durch dessen Söhne umbringen zu lassen, verteilte er während des Hochzeitsfests scharfe Nadeln, die die Mädchen in ihrem Haar versteckten. Mit dieser erstach jede Danaide während der Hochzeitsnacht ihren Bräutigam. Einzig Lynkeus wurde auf Anraten von Artemis durch Hypermnestra vom Massaker verschont.

Obwohl Athene und Hermes mit dem Einverständnis des Zeus die Danaiden im See Lema von ihrer Schuld reinwuschen (ein Ort den Mörder zur Selbstreinigung aufsuchten), wurden sie von den Richtern der Toten dazu verurteilt in alle Ewigkeit Wasser in durchlöcherten Krügen herbeizutragen.