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seit 1950

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«Granny Dumping», 2004/2007

Acryl auf Büttenpapier

91 x 120 cm

«Sag schön Grüss Gott», 2006/2007

Acryl, Schellack auf Papier

122,5 x 93,5 cm

 

«Im Sumpf», 2004/2007

Acryl, Schellack, Fotomontage auf Papier

91 x 120 cm

 

«Ich bleib' jetzt lange im Garten», 2003/2007

Acryl, Schellack, Fotomontage auf Papier

91 x 120 cm

 

«Langsam rinnt das Leben aus», 2007

Acryl, Schellack auf Papier

124x 98 cm

Anton Christian (*7.2.1940, Innsbruck)

Anton Christian ist am 7.2.1940 in Innsbruck (Österreich) geboren.

Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und an der Académie des Beaux-Arts in Paris. Nach seinen ersten Ausstellungen erhielt er ein Arbeitsstipendium in London.

1980/81 war er Gastprofessor an der State University of Houston, Texas.

Auf eine frühe Phase vorwiegend konzeptioneller Kunst folgte Mitte der 1970er Jahre die Hinwendung zu Zeichnung und Graphik, wobei das Ineinandergreifen von Text und Bild zum integralen Bestandteil seines Schaffens wurde.

Sein Werk wurde mit Ausstellungen in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Grossbritannien und den USA geehrt.

 

«Ich schmeisse keine Idee und keine halbfertigen Blätter weg, ich arbeite so lange herum, bis ich damit zufrieden bin. Manchmal kommen vier, fünf Zeichnungen übereinander auf das Papier. Ich möchte, dass meine Arbeiten so suggestiv sind, dass sich die Leute lange daran erinnern müssen, wie an einen besonders schönen oder bösen Traum. Die Freude an eigenen Arbeiten, oder besser, die Freude, die ich beim Machen derselben habe und mein handwerkliches Selbstbewusstsein sind die Voraussetzung, um überhaupt arbeiten zu können.».

Anton Christian, 1977

 

Der Taucher

In der Spanne Zeit, seit wir uns Anfang der 70-er Jahre kennenlernten, ist bei Anton Christian ein Werk entstanden, das beispiellos ist: Bilder, die der Taucher in die Abgründe der Seele zutage fördert, dass ich in Festen des Pinsels daran teilnehmen kann. Die grossen Spanier leuchten darin auf, Zurbarán, Veláquez, der alte Goya mit seinem schwarzen Humor auf den Tafeln aus der Quinta del sordo. Und man denkt an Tizian und sein Venedig, dessen Bewohner, so die Anekdote, sich fragten, ob er die Pinsel wohl in sein Blut und in seinen Samen tunkte, so intensiv waren die Farben ... Eine fleischfressende Malerei, gespeist von einer Glut, die von innen kommt: Daddy's kind of cooking.

Was Kafka von literarischen Werken forderte, löst Anton Christian mit seiner Malerei ein: es sind Äxte, das gefrorene Meer in einem zu spalten – auch wenn sie mir, je intensiver ich mich darauf einlasse und je weiter ich in sie hineinsehe, zuallererst die Sprache verschlagen. Harmlos ist das alles nicht; bei Leibe nicht. Das Natur- und Menschenbild, das Anton Christian in seinen Gemälden  entwirft,  konfrontiert  mit  einer  Wahrheit,  die,

wörtlich verstanden, unter die Haut geht. Der Künstler, sich bewusst, dass der Tod dem Leben nicht entgegengesetzt ist, dringt in die Substanz des rohen Fleisches und der rohen Instinkte ein, legt die Nervensysteme seiner Figuren und damit unsere eigenen frei, macht sichtbar, was kaum sagbar ist: Neben der unbändigen Vitalität, die in diesen Bildern pulst und pocht, die Qual und der physische Schmerz von existentieller Angst, Einsamkeit; in diese Malgründe sind die gewaltsamen Einbrüche, die Aggressivität und die Tragik unserer Zeit gegraben – «mag sein, dass eine völlig geordnete, reglementierte Welt vielleicht gerechter, vielleicht sicherer ist, aber auf jeden Fall auch langweiliger», lese ich im SKIZZENBUCH.

Quelle: Auszug aus: Reto Hänny, «Der Taucher – oder Empfindungen vor Tonis Seelenlandschaften» in: «Anton Christian – Ort der Erinnerung», Katalogbuch Tiroler Landesmuseum, Innsbruck 2000

 
     

Man weiss ja nie, wann so ein Bild fertig ist. Der Betrachter denkt, man sollte sie ihm wegnehmen, bevor er ein neues ganz anders drüber malt, und ihm stattdessen eine frische weisse Leinwand geben, aber vielleicht geht das nicht so, es braucht diese problematischen Vorstufen, Zwischenstufen, ach was, Stufen eben, ein steter Gedanke an das Gleichgewicht: Grob und fein liegen in dieser Malerei nebeneinander, «Fair is foul and foul is fair», wie ein turnersches Boot in einem Inferno von Nebel und Meer als feines Präzisionsgerät gipfelt das Bild dann am Ende in einem aufgerissenen Mund oder Auge, übereinandergelgten Händen, den in der Müdigkeit eines frühen Abends um das Handgelenk gewinkelt Fingern der andern Hand, ordentlich nebeneinander mit den etwas durch die Perspektive verschobenen Knöcheln, die weisser glänzen als der Rest.

«Manchmal plane ich, manchmal fertige ich Skizzen  an, speziell zu den grösseren Serien. Aber das mache ich nicht immer, oft ist es ein zielloser Beginn.

Im Grunde ist jedes Bild ein Abenteuer. Der Zufall spielt natürlich eine Rolle wie bei allem. Aber einen zukünftigen Zufall kann man nicht beschreiben. Ich überarbeite, übermale meine Bilder, bis ich sie mag – bis ich spüre, dass so etwas wie Mystik hineinkommt. Ich hab‘ auch schon bereits ausgestellte Arbeiten zerrissen, weil ich nicht mehr mit ihnen zufrieden war, und es ist mir auch schon passiert, dass ich ein Bild bei irgend jemandem sah und den Besitzer fragte, ob ich daran weiterarbeiten darf. Einmal kaufte ich eine Zeichnung zurück, um daran weiterzeichnen zu können. Das ist alles Zufall! Klüger geworden zu sein ist es nicht, Selbstkritik auch nicht. Natürlich, ab und zu male ich ein Bild in einem Zug fertig und gelegentlich sehe ich Arbeiten nach langer Zeit wieder und mag sie sehr und freue mich und bin ganz zufrieden».

Quelle: «Beschädigung», Haymon-Verlag, 2002

 

Ausstellungen Galerie HILT: Anton Christian «Alte Leute», 7.12.07 - 02.02.08, mit Buchpräsentation (Homers Odyssee, Manesse Verlag)