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Häuptlingsfigur

73 x 20 x 20,5 cm

Nr. 139/92

 

Nr. 56/96

 

 

TA112

Tshokwe

Eine der bedeutendsten Volksgruppen im östlichen Angola; viele Tshokwe leben heute auch in Zaire und Zambia, doch ihre Kunst blühte im frühen 16. Jahrhundert im Zentrum Angolas hauptsächlich in Häuptlingstümern («Chefferien»), die von Lunda-Noblen gegründet worden waren.

 

Der typische Stil der Tshokwe ist meist klar erkennbar an seinem massigen, schweren Charakter, und bei manchen Figuren an ihrer dynamischen, fast aggressiven Haltung. Die Schnitzkunst konzentriert sich dabei vor allem auf Darstellungen des Häuptlings oder Königs in verschiedenen Positionen, sowie auf den Kulturheros Tshibinda Ilunga, weibliche Figuren sind seltener. Die Arme und die besonders grossen Hände sind oft frei geschnitzt und befinden sich dann vor der Brust. Trotz ihrer betonten Massigkeit wirken die Figuren nicht plump oder klobig; sie sind auch stets fein geschnitzt.

 

Bei den Masken der Tshokwe lassen sich vier Typen unterscheiden, von denen zwei aus Holz geschnitzt und zwei aus Rohrgestell gefertigt sind, das mit Rindenstoff bespannt ist. Die Holzmasken stellen einen männlichen und einen weiblichen Geist dar. Der männliche Geist -cihongo - symbolisiert Kraft und Reichtum. Seine Maske trägt einen, die ganze Breite einnehmenden, die Zähne zeigenden Mund und einen weit nach vorne ausladenden Bart. In früheren Zeiten wurde die Maske ausschliesslich vom Häuptling oder einem seiner Söhne getragen, der dann für zwei oder drei Monate auf eine «Tanz-Tournée» ging: Die eingesammelten Gaben - Stoffe, Geflügel, Perlen etc. - galten als eine Art Tributzahlung an die höchste Autorität. Daneben waren die cihongo-Masken aber auch Mittel der Strafjustiz und der sozialen Kontrolle. Die andere Holzmaske - pwo (mwana pwo) - stellt den weiblichen Ahnen dar und spendet den Zuschauern Fruchtbarkeit. Der Tänzer, der die Maske beim Schnitzer bestellt, gibt diesem einen Fingerring aus Kupfer - Symbol einer mystischen Verlobung (und späteren Hochzeit beim Tanz). Er geht dabei moralisch-rituelle Verpflichtungen ein, deren Nichtachtung Zorn und Strafe der Ahnen herbeiführt. Nebenbei erfüllt die pwo-Maske auch eine erzieherische Aufgabe: Die Tänzer bewegen sich graziös in den Hüften und lehren so den Mädchen, sich vornehm und elegant zu bewegen. Die pwo-Maske hat weiche, verklärte Gesichtszüge und wurde früher möglicherweise bei Initiationsriten verwendet.

 

Bei den mit Rindenstoff bespannten Masken gibt es die fast zwei Meter hohe tshikuna, mit hohem, spitz zulaufendem Aufsatz; sie ist die Inkarnation des guten und mächtigen Schutzgeistes der die Fruchtbarkeit spendet, aber auch das Jagtglück beeinflusst. Der weit bekanntere Typ jedoch ist die tshikungu-Maske mit dem kühn geschwungenen, breit ausladenden Kopfschmuck tshihongo, den auch die Königsstatuen tragen. Sie symbolisiert den Ahnen des Erdherrn und damit das heilige Reich des Herrschers.

 

 

 

 

 

Quelle: Karl-Ferdinand Schaedler «Lexikon Afrikanische Kunst und Kultur» (ISBN 3-7814-0374-2)

 

 

© Galerie HILT AG Basel, 1999

 

 

 

 


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