In unserer langjährigen Galeriearbeit sind wir mit den unterschiedlichsten Kunsttechniken in Berührung gekommen. Als eine ganz besondere Art im Zusammenspiel mit Handwerk, Kreation und künstlerischem Ideenreichtum ist uns dabei die Grafik ins Auge gestochen. Der in Kunst- und Sammlerkreisen nach unserer Meinung zuweilen zu unrecht weniger beachtete Kunstform, sei an dieser Stelle ein besondere Platz eingeräumt. Mit unserem kleinen Lexikon der Druckverfahren möchten wir einen Einblick in das vielschichtige und umfassende Gebiet der Grafik geben.

Unter dem Sammelbegriff Grafik versteht man ein mehrfach reproduziertes Bild. Im Kunstbereich werden die Blätter in limitierter Auflage herausgegeben und dessen Höhe lässt sich in der Regel direkt auf dem Blatt ablesen, da die Nummerierung üblicherweise links unten angegeben ist. Wenn die Bezeichnung beispielsweise «2/40» lautet, so handelt es sich hier um das zweite von insgesamt 40 Exemplaren.

Daneben existieren auch Bezeichnungen wie «h.c.» (hors commerce), «e.a.» (épreuve artistique), «a.p.» (artist proof) und ähnliche. Dabei kann es sich um überzählige Blätter handeln (in der Regel zwei bis drei Exemplare), welche vom Künstler mit «h.c.» bezeichnet und oftmals als Geschenk verwendet werden. Dennoch tauchen diese Exemplare irgendwann einmal wieder im Kunsthandel auf.

Ursprünglich dienten die «e.a.» Exemplare beim Druckvorgang zur Farb-, Kontrast- und Helligkeitsabstimmung, und wurden vom Künstler als sogenannte Künstlerexemplare zurückbehalten.

In neuerer Zeit werden diese Exemplare ebenfalls limitiert und angeschrieben; üblicherweise werden maximal zehn Prozent der Gesamtauflage als «e.a.» bezeichnet. Vorbildliche Verleger nummerieren diese Exemplare mit römischen Ziffern – im Unterschied zur Normalauflage, die zumeist arabisch nummeriert wird.

Unterschieden wird ferner zwischen Grafik generell und Originalgrafik. Der Unterschied besteht darin, dass bei der Originalgrafik der Künstler den Druck gänzlich – oder zumindest den überwiegenden Teil davon – selber anfertigt. Zumeist existiert das Werk auch ausschliesslich als Grafik und es gibt kein als Vorlage dienendes Originalbild. Wohingegen bei der Grafik ein Lithograf nach den Vorgaben des Künstlers die Platte vorbereitet und nach Erhalt des «Gut zum Drucks» («GzD», oder französisch «b.a.t», bon à tirer) die Auflage selbständig anfertigt.

 

Quellen

Bruckmanns Handbuch «Druckgraphik», München 1973
Dumonts Lexikon der bildenden Künste, Dumont, Köln 1990
Felix Brunner: Handbuch der Druckgrafik, Arthur Niggli AG, Teufen
Walter Koschatzky: Die Kunst der Grafik, Residenz, Salzburg, 1972

Dank

Ernst und Erika Hanke gilt unser spezieller Dank. Sie gaben uns Einblick in ihr Kunstschaffen und standen uns mit Rat und Tat zu Seite.

Die beiden führten jahrelang eine renommierte Steindruckerei am Brienzersee und waren für namhafte Künstler, so z.B. für Paul Wunderlich, tätig.