302 - Heiri Strub - Zum Neunzigsten (20.5.2006 - 1.7.2006)

Heiri Strub
Zum Neunzigsten


Vernissage
Samstag, 20. Mai 2006, 13.30 - 17.00 Uhr
Der Künstler ist anwesend.
Einführende Worte um 14.00 Uhr durch Ruedi Rechsteiner, Nationalrat.

Ausstellung
Bis 1. Juli 2006

Heiri Strub, geboren am 17. August 1916 in Fliehen, dem damaligen Handwerker- und Bauerndorf, kann dieses Jahr seinen 90. Geburtstag feiern. Wir freuen uns, ihm zu diesem Anlass die vorliegende Ausstellung widmen zu dürfen!

Heiri Strub versteht sich als Handwerker. Als ausgebildeter Typograf und Grafiker zeichnet er, lithografiert, radiert, stichelt er Holzstiche und schneidet in Linol, er model-liert und malt Larven, und malt Bilder in Aquarell und Öl; er schreibt zeitkritische Texte und Essays über Kulturpolitik und Kunstgeschichte.

Von seiner Schaffenskraft und Vielseitigkeit zeugen die vielen Buchillustrationen und Kinderbücher, seine Plakate und seine Bilder. Seine Fasnachtsbilder und Larven sind ein Beitrag zu jener Kultur, die tief im Volk verwurzelt ist.

Vernissage

Geboren und aufgewachsen ist Heiri Strub in Riehen. Schon jung hatte er die Absicht, mit einem grafischen Beruf für die Arbeiterbewegung zu wirken. Dieses Ziel bestimmte seinen Bildungsweg. Nach der Schule besuchte er die Schreinervorlehre, dann den Grafikvorkurs an der Gewerbeschule. Nach vierjähriger Schriftsetzerlehre und längerer Arbeitslosenzeit bildete er sich, soweit ihm der Aktivdienst Zeit liess, an der Gewerbeschule Basel in der Grafik- und in der Maiklasse weiter. Dann war er in Druckereien Setzer, Linolschneider und Plakatgrafiker.

1945 wurde er selbständiger Grafiker für Werbung, Kinderbücher und Buchillustrationen und gestaltete für die Partei der Arbeit - zu deren Gründern er gehört - Plakate, Flugblätter und Pressezeichnungen.

Ab 1950 wurden die Aufträge spärlicher. Die Angst vor Russland ging auch in Basel um, das Wort vom Kalten Krieg wurde geprägt. Auch das mit seiner Frau Lotti und Freunden betriebene Larvenatelier «nase» konnte das Einkommen nicht mehr genügend aufbessern. So entschloss sich das Ehepaar Strub mit Tochter Olga schliesslich 1957 die Schweiz zu verlassen und in der DDR ihr wirtschaftliches Fortkommen zu sichern.

Die Familie kehrte erst wieder 1971nach Basel zurück. Lotti Strub fand in der Verwaltung des Kunstmuseums Arbeit, Heiri Strub wurde Redaktor für Lokalpolitik und Kulturelles bei der Wochenzeitung «Vorwärts».

Nach zehn Jahren journalistischer Tätigkeit widmet sich Heiri Strub ab 1981 vor allem der Malerei. Er ist dabei stets ein politisch interessierter, gegen den Mainstream-schwimmender Künstler geblieben, der seine Meinung von der Welt in vielerlei Motiven bilderzählerisch ausdrückt.

D.h., die Kunst verkam bei ihm nie zum blassen Werkzeug, seine «korrekte Gesinnung» zu propagieren. Vielmehr bilden seine künstlerische Tätigkeit und das politische Engagement eine konkrete, organische Einheit. Kennzeichnend für Heiri Strubs Schaffen bleibt auch eine gewisse bauernschlaue, anti-elitäre Grundhaltung. Doch ist der Respekt für das einfache Leben keine Attitüde, sondern äussert sich in Darstellungen realer Widersprüche und Spannungen der heutigen Zeit, die die Menschen wirklich (be-) treffen und die deshalb auch von Jedermann unmittelbar verstanden werden kann.

Zum vielfältigen und breiten Spektrum der grafischen Techniken von Heiri Strub gehören das Zeichnen mit Stahlfedern, Stiften, Gänsekiel und Pinsel. Je nach Thema und der Druckerkalkulation verwendet er Linol- und Holzschnitte, Holzstiche, Farblithografien und auch Aquarelle als Offsetvorlagen. Die Disziplin der grafischen Techniken ergibt jeweils einen besonderen Stil und hat seine eigene Ästhetik.

Alle diese handgemachten Techniken sind mittlerweile historisch geworden. Die  modernen Reproduktions-, Gestaltungs- und Druckverfahren egalisieren die Druckgrafik.

Heiri Strub hat insgesamt 33 Bücher in den verschiedensten Techniken und mit unterschiedlichstem Inhalt gestaltet. Seine Zeichnungen und grafischen Blätter sind Erzählungen von Menschen in allen Situationen, wie Schwächen, Hochmut, Güte,
Hilfsbedürfnis, Schlitzohrigkeit. Der bedrohten Natur begegnet er mit Ehrfurcht.

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