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Mezzotinto

Die Schabkunst gehört zu den kalten, manuellen Tiefdruckverfahren und wurde um 1640 von Ludwig von Siegen in Hessen erfunden.

 

Sie ist mit dem Kupferstich verwandt und erlebte ihre Blütezeit im 17. Jahrhundert vor allem in England. Da sie sehr aufwendig ist, wird sie selten in reiner Form, sondern zumeist in Verbindung mit anderen Drucktechniken (Kaltnadel, Stiche) angewandt.

Mit der Schabkunst können subtile Halbtöne, Übergänge und Schattierungen erreicht werden. Der Schabkünstler geht dabei negativ vor, indem er aus einer einheitlich dunklen Platte helle Töne herausholt.

Mit dem Granierstahl (= längliches Gerät mit bogenförmiger, gezähnter Schneide), einem Wiegemesser oder anderen Hilfsmitteln wird die Kupferplatte in langwieriger Arbeit durch senkrechte, waagrechte und diagonale Schnitte gleichmässig aufgerauht, sodass sich beim Druck der Platte ein einheitliches Schwarz ergibt. Auf der sorgfältig vorbereiteten Fläche wird nun die Darstellung dadurch gestaltet, dass der Künstler mit einem Schabeisen (Polierstahl) die Fläche glättet, indem er poliert und schabt, wo er hellere Stellen wünscht. Erscheint eine Partie beim Schaben zu hell, kann man sie ganz leicht wieder aufrauhen und so die Darstellung korrigieren. Das Kupfer nimmt also je nach Glätte und Rauheit weniger oder mehr Farbe auf, wodurch auf dem Papier unzählige Schattierungen erwirkt werden können.

Ist die Platte fertig bearbeitet, wird die gesamte Fläche unter Erwärmen mit Druckerschwärze eingefärbt und sorgfältig wieder ausgewischt. Der Druck erfolgt auf befeuchtetes, saugfähiges Papier in der Tiefdruckpresse, in welcher Platte und Papier auf einem Laufbrett zwischen zwei Walzen aufeinandergepresst werden. Auf das Papier werden vorher Drucktücher (weiche, gewebte Wollfilzen) gehäuft: sie saugen die Feuchtigkeit auf, während das Papier zwischen den sich langsam drehenden Walzen dermassen stark (und dennoch weich) auf die Druckplatte gequetscht wird, dass es, in die Vertiefungen gezwungen, die dort haftende Druckerschwärze restlos aufsaugt.

Ein Vorläufer der Schabkunst war der Punzenstich, bei der die Kupferplatte nicht mit einem Granierstahl aufgerauht wird, sondern mit der Punze, einem Stahlstift mit stempelartiger Spitze. Mit der Punze hämmert der Künstler ein feines, gleichmässiges Punktraster auf die Platte, aus dem jene Partien, die im Druck heller erscheinen sollen, herausgeschabt werden.

Unter der Lupe zeigt das Schabblatt das typische Mezzotintokorn, kleine Kreuzchen, eben die Kreuzungspunkte der verschieden geschnittenen Furchen der Plattenoberfläche. Auch in Schattenpartien kann man immer noch ein zartes Netz von Linien erkennen.

Durch den hohen Druck, mit dem die Platte auf das befeuchtete Papier gepresst wird, ergibt sich auf der fertigen Grafik eine deutlich erkennbare Prägung und gleichzeitig ein feiner Plattenton, der von einem nicht ganz vollständigen Auswischen der Druckplatte herrührt und den grellen Kontrast zwischen Druckerschwärze und weissem Papier entschärft. Die Farbe haftet noch in trockenem Zustand erhöht auf dem Papier und die gedruckten Linien weisen scharfe Ränder auf, weil die Farbe seitlich nicht aus den Furchen herausquellen kann.

Tiefdrucke können auch maschinell hergestellt werden, unter den verschiedenen Metallarten wird heute Kupfer am meisten verwendet. Der moderne Maschinendruck erfolgt nicht mehr ab einer starren Druckform in der Handpresse, sondern die 3-4 mm dicke Druckplatte wird auf einen runden Zylinder aufgespannt oder sogar direkt auf den Kupferzylinder geätzt. Der moderne Tiefdruck wird in den neueren Verfahren mit einem fotografischen Zwischenschritt realisiert (Heliogravur, Raster, Offset).

Durch das häufige Auswischen und den starken Druck nutzt sich die Druckplatte schnell ab. Um dies zu verhindern wird diese meist vor dem Druck verstählt, um eine höhere Auflagenzahl zu erreichen.

Besonders die Engländer befassten sich mit der Schabkunst. Ihre berühmtesten Meister waren Gainsborough, Earlom oder  Romney. In unserem Jahrhundert war es der Japaner Yozo  Hamaguchi der die reine Schabkunst erfolgreich kultivierte.